Beim letzten Mal waren wir am Licht gescheitert. Nicht an den Ratten, nicht an einer Rune, nicht an der Wache — am Licht. Also kehrten wir mit Vorbereitung in den Kanal unter dem Hafenviertel zurück: Gregor trug seine Lampe, und ich trug die Gewissheit, dass ich in meiner Werkstatt hätte stehen und etwas Sinnvolles tun können. Stattdessen stieg ich in die Kanalisation von Waterdeep, um Ratten abzufackeln. Für Sera, sagte ich mir. Die Spur war es wert.
Licht im Kanal
Unten war es so dunkel, wie es nur unter einer Stadt werden kann. Gregors Lampe warf einen weiten, ehrlichen Schein — Licht ist wie gutes Werkzeug: Man merkt erst, was es wert ist, wenn man ohne dasteht. Der Kanal zog sein träges, schmutziges Wasser durch die Mitte der Gänge, an den Rändern liefen schmale Stege, über eine Engstelle hatte irgendwer vor langer Zeit Planken gelegt. Rohre durchzogen Wände und Decke, verrostet, aber solide gearbeitet — wer auch immer das vor hundert Jahren verlegt hatte, verstand sein Handwerk besser als mancher Schmied, den ich kenne. An einer Kreuzung zischte Dampf aus den Leitungen und hing als warmer Nebel im Gang.
Ratten
An den Planken kamen sie aus dem Dunkel — fünf auf einen Schlag, flink, nass und mit mehr Zähnen als Verstand. Gregor stürmte vor, ehe einer von uns etwas sagen konnte, und stand mitten zwischen ihnen. Sein Panzer tat, was gute Arbeit tut: ihre Aufgabe. Die Bisse fanden Stahl statt Fleisch.
Ich schickte einen Feuerstrahl über das Wasser. Der erste versengte einer Ratte nur das Fell — zäher, als sie aussahen, das muss man den Biestern lassen. Celestina kam an Gregor nicht vorbei; sie ließ sich die Laterne reichen und hielt uns das Licht, und dann ließ sie ihre Glocke sprechen. Kein Läuten von einem Turm — ein dumpfer, kalter Schlag, wie ein Hammer auf ungehärtetem Stahl, aus keiner Richtung und aus jeder. Die Ratten duckten sich, als hätte man ihnen ins Ohr geschlagen. Ich arbeite ungern neben Totenglocken. Aber ich bestreite nicht, dass sie wirken.
Gregor erschlug eine mit der Keule, dann sprach er sein Wort, und für einen Atemzug war der Kanal taghell — zwei Ratten verbrannten in einem Licht, das nicht von dieser Lampe kam. Lysa hatte ihr Jagdmal auf die Beute gelegt und arbeitete mit dem Stab, ruhig und ohne Hast, wie jemand, der weiß, dass Hast nur danebengeht. Meine nächsten Feuerstrahlen saßen besser: Einer davon brannte einer Ratte den Kopf weg, den sie gerade aus der Brühe streckte. Kein Anblick für die Chronik der Stadt. Aber gründlich.
Kaum lagen die fünf, kamen drei weitere. Diesmal war Gregor der Schnellste — der Kriegshammer machte kurzen Prozess, so sauber, wie man einen Nietkopf setzt. Celestinas Glocke schlug noch einmal, Lysas Stab traf die markierte Ratte mit einem Hieb, der das Thema beendete. Danach war es still. Acht Kadaver trieben im Wasser, und von uns hatte keiner mehr abbekommen als ein paar Kratzer. Lysa meinte, verletzt war sie nur in der Ehre.
Zeichen oder Ungeziefer
Über den Kadavern gingen die Meinungen auseinander. Celestina fand die Biester zu zäh für gewöhnliches Ungeziefer — verflucht, sagte sie, und ein Zeichen, dass wir auf der richtigen Spur waren. Lysa hielt es kürzer: Kanalratten, klein, flink, lästig, mehr nicht. Gregor schlug sich auf ihre Seite. Ich habe nicht Tierkunde gelernt, ich habe Metall gelernt — aber ich weiß, dass man aus acht toten Ratten keine Prophezeiung schmiedet. Noch nicht.
Jemand warf die Frage auf, ob man die Kadaver bei der Stadt gegen Kopfgeld abgeben könne, wie es die Rattenfänger tun. Die Begeisterung, sie einzusammeln, hielt sich in Grenzen; am Ende fasste sie keiner an. Acht Kadaver, kein Kopfgeld, kein Zeichen — die Bilanz eines Abends in der Kanalisation.
Von Sera fanden wir an diesem Tag keine Spur — nur einen Kanal, der tiefer führt, und Wasser, das irgendwohin will. Beim nächsten Mal steigen wir weiter hinab. Ich nehme Ersatzöl für die Lampe mit. Am Licht soll es nicht noch einmal scheitern.
